„Ich bin eine Optimistin mit Hang zum Pessimismus – oder doch andersrum?“
Rebecca
Here we go !
Es ist Donnerstag, der 21. Dezember 2023. Der zweite Strich auf meinem Corona-Test ist nach nur 4 Tagen wieder weg. Ich sitze hier auf meiner rot-weißen Couch, auf der ich die letzten Tage auch schon stundenlang saß und tippe diese Zeilen, anstatt meine Sachen zu packen und zu meiner Familie zu fahren. Nennt man das jetzt Prokrastination? Keine Ahnung, aber wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, muss das meist jetzt gleich & sofort passieren ..
Vielleicht ist es auch das Bedürfnis erst dann nach Hause zu fahren, wenn ich meinen Stuff hier geregelt habe, wenn ich mir genug Zeit genommen habe, das Jahr zu reflektieren um dann in Ruhe in die Weihnachtsfeiertage zu starten. Was es nun genau ist, was mich hier sitzen lässt und schreiben, ist ja eigentlich auch völlig wumpe. Ich möchte ein bisschen meinen Kopf leer bekommen & über das vergangene Jahr schreiben, auch wenn es noch ein paar Tage vor sich hat. Und du hast anscheinend nix besseres zutun als dir das hier durchzulesen – von daher Danke, dass ich dir ein wenig deiner Zeit stehlen darf 🙂
2023 begann relativ unspektakulär. Die Jahre davor war mein Silvester laut, umgeben von mal mehr, mal weniger Menschen, immer begleitet von genügend alkoholischen Getränken & als die Uhr 0 schlug mit einem Hauch Traurigkeit, dass das alte Jahr vergangen ist & eine Art schmerzende Vorfreude auf das Neue, was da kommt. Silvester war die letzten Jahre für mich etwas auf das ich hin gefiebert habe, das ich nicht erwarten konnte. Und ich liebe diese leicht melancholische Stimmung, wenn sich die Zahl am Ende dieser vier Stellen ändert. Silvester 2022 war anders – ruhig, entspannt, mit wenigen Menschen, wovon ich nur einen kannte. Raclette, Discounter Staffel 2, und mit Blick über ein knallendes Leipzig-Grünau der Kuss zum Jahreswechsel – der ist mir heilig. Und vielleicht fing es da schon an, dieser Gedanke in mir, dass etwas nicht genug ist, nicht ausreicht .. Diese nervige Stimme in mir, die mir immer einredet, alles was ich tue & alles, was andere tun, sei nicht genug. In der systemischen Therapie bezeichnet man das als einen meiner inneren Anteile. Wir alle haben diese Anteile in uns & ich bin grad dabei da ein bisschen näher einzutauchen. Dieser und noch viele andere haben mich das ganze Jahr über begleitet & 2023 teilweise gar nicht mal in so gutem Licht da stehen lassen.
Doch ich möchte mit diesen Zeilen mal versuchen den Fokus auf das zu lenken, was denn eigentlich ziemlich cool war in diesem Jahr, trotz all der Selbstzweifel, negativer Gedankenschleifen & Hoffnungslosigkeiten. Wie begann dieses Jahr eigentlich nochmal? Mein Kalender sagt mir mit Arbeit, ’nem Tattootermin & Wohnungsbesichtigungen. Snapchat zeigt mir einen wunderschönen sonnigen Tag in Magdeburg und laut Instagram hab ich anscheinend jede Menge Kurse gegeben. Februar und März schienen ähnlich abzulaufen. Das To-Do „Steuererklärung“ hüpfte wie eigentlich jedes Jahr von Woche zu Woche ohne abgehakt zu werden. Tatsächlich war ich im Februar wohl auch nochmal in Magdeburg. Können wir an der Stelle mal kurz festhalten, dass ich in 2 Monaten zweimal meine beste Freundin besucht habe – gefühlt sehen wir uns so selten, dass mir das einfach nicht aufgefallen ist – umso schöner es jetzt nochmal zu sehen ❤
Seit dem 20. März 2023 steht in meinem Kalender ein „K“ anstelle meiner Arbeitszeiten. „K“ bedeutet krank. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sich diese Phase ganz schön ausdehnen würde, wusste nicht, dass sie dazu führen würde, dass ich für eine Zeit keine Kurse mehr geben kann. So ist diese Zeit von Frühling bis in den Herbst hinein in meinem Kopf abgespeichert als „Da war ich krank. Da hab ich nix gemacht.“ Und ich weiß auch noch, wenn mich Leute gefragt haben, was ich denn mache, war meine Antwort „im Moment nix“. Dem war nicht wirklich so. Fakt ist mit der Diagnose „Burn-Out“ oder „depressive Episode“ machst du jetzt nicht so viel, wie du es vielleicht ohne tun würdest, aber „nix“ ist maßlos untertrieben. Ein paar wenige Momente habe ich in App mit dem gelben Geist festgehalten. Viel Kunstkram allein oder mit teilweise neuen Freund*innen; von meiner Ärztin verordnete Fahrten an den See, weil es gut tun soll; mein kleines Balkonprojekt, dass mehr oder weniger erfolgreich war (es gab zumindest ein paar Tomaten) & noch immer eine Wohnungsbesichtigung nach der anderen .. Weil ich da nichts verdient habe, habe ich im Sommer auf Festivals unterrichtet, aus einem wurden drei, weil ich gefragt wurde, ob ich mir nicht vorstellen könne, da noch zu unterrichten & so habe ich gemeinsam mit Max an der Handpan und auch alleine Kurse vor an die 100 Personen gegeben. Und wieso macht mein Kopf da jetzt nochmal draus, dass das ja nix besonderes sei? Ich bin mir durchaus bewusst, dass das ein Privileg ist & dass die Tatsache vor so vielen Menschen zu stehen & ihnen etwas über die Stunde hinaus mitzugeben viel Verantwortung birgt. Das ist nichts selbstverständliches. Auch nicht in der Yogabubble. Ich habe während meiner Ausbildungen einige Frauen, in dem Falle, kennengelernt, die sich vielleicht nicht vor so viele Menschen stellen würden. Zum einen, weil sie es gar nicht wollen, aber auch wegen der Angst vor Menschen zu sprechen. Es scheint mir irgendwie nicht fair zu sagen, dass diese Angst bei mir nur wenig ausgeprägt ist. Deswegen ist es etwas wofür ich dankbar bin. Dankbar, dass schon die kleine Becca damals im Kindergarten auf Mini-Playback-Shows auf einer imaginären Bühne – alias der Hügel im Garten – performed hat ❤
Nach dem Sommer beendete ich mein Arbeitsverhältnis und ab Oktober ging es dann wirklich darum „Und wie geht es jetzt weiter?“ Die letzten 3 Monate waren sehr hilfreich, wenn auch taff & ich hab tatsächlich das Gefühl, wieder auf einem guten Weg zu sein. Mir spielt heute natürlich in die Karten, dass mein Zyklus in einer „guten“ Phase ist. Glaub mir .. in zwei Wochen kann das schon ganz anders aussehen. Ich vergesse fast 2 große Highlights in diesem Jahr – New York City (eine Stadt, die schon einige Jahre auf meiner gedanklichen „Orte die ich gesehen haben möchte“ steht) & mein erstes Retreat Anfang Dezember. Verrückt wie weit weg sich diese beiden Dinge anfühlen, obwohl sie gar nicht so lang her sind. Dazu vielleicht ein andermal mehr.
Ich könnte jetzt noch einiges mehr schreiben, aber irgendwie ist die Luft raus (ich glaub dieser Gedanken in mir irgendwann mal ein Buch zu schreiben, bleibt wohl nur ein Gedanke, oder es wird so ein kleines Taschenbuch, wie die die früher immer in den Ramschkisten in Buchläden lagen – oder liegen die da immer noch? :D).
2023, du warst gar nicht so mies, wie ich dachte. Du hast leise begonnen & bist zwar nicht unglaublich laut geworden, aber hast mir trotzdem öfter gezeigt, wo meine Grenzen sind. Du hast Menschen in mein Leben gebracht, die ich nicht mehr missen möchte & wieder andere sind gegangen. Und so ist das vermutlich bei jedem von uns – oder? Falls dein 2023 wirklich mies war, weil echt beschissene Sachen passiert sind, dann hoffe ich, dass die Gründe, warum du noch immer da bist & nicht aufgegeben hast, gut waren. Und manchmal sind sie gar nicht groß, die Momente, die das Leben lebenswert machen. Manchmal ist es vielleicht „nur“ das kleine Tomatenpflänzchen, das über Nacht aus dem Anzuchttopf gewachsen ist.
Danke für alle die, die mich in diesem Jahr begleitet haben an guten wie an schlechten Tage – wirklich von ganzem Herzen danke! Ich freu mich auf das was noch kommt. Und vielleicht waren diese Zeilen jetzt Anlass für dich, dir auch ’nen Moment Zeit zu nehmen & mal bisschen über das Jahr nachzudenken. Ah und bevor ich’s vergesse: ich hoffe du hast zum Jahreswechsel wen den du umarmen oder küssen kannst & wenn es nur oder eher vor allem du selbst bist – damit das alte Jahr in Liebe abgeschlossen werden kann & das Neue in Liebe beginnt ❤
Schöne Weihnachten! Deine Becca 🙂