Nun ist es wieder ein Weile her, seit ich die letzten Zeilen hier getippt habe & der Podcast lässt auch noch auf sich warten – mal schauen, ob das noch was wird .. 🙂
Die letzten Wochen/Monate habe ich eine Weiterbildung im psychologischen und systemischen Coaching gemacht. Wieso, weshalb, warum oder eher Wozu möchte ich euch heute gern erzählen. Ich kam in meiner beruflichen Praxis, die bisher im sozialen Bereich angesiedelt war, meist an den Punkt, wo ich nicht mehr so richtig wusste, wie ich jetzt gut auf die Personen eingehen oder mit ihnen sprechen kann. Smalltalk ist irgendwie nicht so mein Ding & in einem Bachelorstudium lernt man jetzt auch nicht wirklich was über Gesprächstechniken. Also habe ich meine Arbeitslosigkeit genutzt & diese Ausbildung begonnen.
Coaching ist ja ein Begriff, der aktuell gefühlt überall herumkursiert. Wie der Beruf der/des Yogalehrer*in ist auch jener der/des Coach*in nicht geschützt, was im Endeffekt bedeutet, dass sich jede*r so nennen kann. Das birgt meiner Meinung nach einige Risiken, was wir nicht zuletzt im Selbstoptimierungs-Coaching-Hype und absurden Versprechungen von „Buche diesen Kurs und du wirst glücklich!“ sehen. Und damit will ich jetzt nicht sagen, es würde nicht funktionieren, vielleicht taugt genau das bestimmten Menschen und ist das Richtige. Ich denke aber auch, dass solch‘ eine Einstellung gerade bei psychischen Erkrankungen etwas gefährlich und kontraproduktiv ist. Denn vor allem in solchen Lebenslagen es ist nicht immer möglich „einfach mal positiv zu denken“.
"Ratschläge sind auch Schläge."
Dieser Satz war einer der für mich prägendsten in der Weiterbildung. Wie schnell kommen wir dazu, hier mal ’nen Tipp zu geben oder da einen „gut gemeinten Ratschlag“. Meist ungefragt & teilweise unreflektiert, ob das eigentlich grad cool für das Gegenüber ist. Und so wird schnell aus jenem gut gemeinten Ratschlag ein Schlag direkt ins Gesicht oder die Magengrube. Warum? Weil das Gegenüber genau darüber vielleicht schon länger nachdenkt, sich aber nicht in der Lage sieht es umzusetzen. Vielleicht aber auch, weil es nicht in die aktuelle Lebensrealität passt. Vielleicht auch nur, weil man sich bevormundet fühlt. Der Ansatz, den ich in dieser Weiterbildung lernen durfte, geht von diesen Ratschlägen weg & arbeitet mit der systemischen Haltung des Nicht-Wissens und Nicht-Verstehens. Weiß ich wirklich, wie es meinem Gegenüber geht, was er oder sie braucht oder tun sollte? Bin ich wirklich in der Lage mein Gegenüber zu verstehen? Sind wir nicht alle Black Boxes, die nur bestimmte Aspekte offen legen, zeigen wollen & andere bewusst zurückhalten oder selbst gar keinen Zugang zu haben? Woher kommt die Annahme wir würden unsere Mitmenschen „so gut verstehen“?
Und ja diese Aussagen geben uns eine Gefühl von Zuneigung oder Interesse des anderen, vielleicht tätigen wir sie auch genau aus diesem Grund. Doch hier und da mal unsere Alltagssprache ich Frage zu stellen, ist denke ich gar keine schlechte Idee. Denn was passiert, wenn ich nicht weiß oder nicht verstehe? Ich beginne wirkliches Interesse zu entwickeln. Ich beende ein Gespräch nicht, weil ich verstehe oder weiß, worauf mein Gegenüber hinaus will, sondern frage weiter, interessiere mich weiter dafür, was es noch alles zu entdecken gibt & welches neues Puzzleteil zu dem mir vorhandenen Bild dieser Person hinzugefügt wird. Wenn dir eine Person wirklich aktiv zuhört, dich an geeigneter Stelle spiegelt oder eine gute Frage stellt, dann ist das ein anderes Gefühl von Zuneigung. In diesem Moment fühlst du dich vielleicht wirklich „verstanden“ oder zumindest gehört.
Eingangs hatte ich meine Fragen nach dem „Warum?“ durch ein „Wozu?“ ersetzt. Wozu fragt nach dem Sinn – dem Sinne meiner Handlungen, Gedanken, Gefühle, etc. Wozu ermöglicht eine breitere Antwort, ein sich mit mir selbst auseinandersetzen. Wozu ist zielgerichtet. Warum sucht einen spezifischen Grund, der vielleicht sogar in der Vergangenheit liegt. Warum ist manchmal recht simpel zu beantworten, manchmal sogar einfach mit einem „ich weiß es nicht“. Wozu ermöglicht vielleicht, allein schon auf Grund dessen, dass wir es in der Regel nicht gewöhnt sind, dass uns das jemand fragt, ein Umdenken 🙂
Wohin genau mich diese Weiterbildung jetzt bringen wird, zu welchem Teil meines Lebensbildes dieses Puzzleteil gehören wird, weiß ich noch nicht genau – muss ich das wirklich wissen? 😉
Ich wollte hier die Gelegenheit nutzen ein paar meiner Gedanken zum systemischen Coaching mit dir zu teilen – vielleicht resonieren ein paar davon mit dir, vielleicht aber auch nicht. Lass es hier oder nimm es mit, wie du magst. Ich danke dir jedenfalls fürs Lesen & wünsche dir einen schönen Tag oder Abend oder Nacht 🙂